Manche Menschen prägen einen Verband nicht nur durch ihre Ämter, sondern vor allem durch ihre Haltung: durch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und dort anzupacken, wo sie gebraucht werden. Michael Weber und Klaus-Peter Mungenast sind solche Menschen. Bei der Hauptversammlung des BDB in Zell a. H. wurden sie aus dem Präsidium verabschiedet – Grund genug, ihr jahrzehntelanges Wirken zu würdigen.

Wer Michael Weber kennt, weiß: Die Blasmusik ist für ihn viel mehr als ein Ehrenamt. Sie ist Leidenschaft, Verantwortung und Herzensangelegenheit. Über Jahrzehnte hat er sich in Vereinen, Verbänden und auf Bundesebene bei großen Musikfesten für die Blasmusik starkgemacht. Nun hat er das Amt des Vizepräsidenten im BDB abgegeben. Doch wer glaubt, dass er sich damit zur Ruhe setzt, kennt Michael Weber schlecht. Kaum hat er wieder mehr Zeit zur Verfügung, steht er wieder dort, wo sein Engagement seinen Anfang nahm: im Unterricht. Weil es in Karlsruhe an Instrumentallehrkräften für tiefes Blech fehlt, hat er selbst wieder mit dem Unterrichten begonnen. Seine Begründung klingt ganz nach ihm: „Bevor ein Kind für die Musik verloren geht, unterrichte ich selbst.“ Dieser Satz erzählt viel über einen Mann, der Verantwortung stets praktisch verstanden hat, und bringt die Haltung auf den Punkt, die sein jahrzehntelanges Engagement geprägt hat: Verantwortung beginnt und endet nicht mit einem Amt. Sie beginnt dort, wo jemand gebraucht wird. Und so war Michael Weber nie einer, der sich auf Gremienarbeit beschränkte. Sein Weg führte von der Jugendarbeit im Blasmusikverband Karlsruhe über dessen Präsidentschaft bis ins Präsidium des Bundes Deutscher Blasmusikverbände (BDB), in dem er seit 2007 als Vizepräsident wirkte.

Michael Weber und Patrick Rapp, Hauptversammlung des BDB 2026 in Zell.

Aktiver Musiker, Jugendförderer und Organisator: Michael Weber hat Verantwortung stets praktisch aufgefasst und sich überall dort eingebracht, wo er gebraucht wurde: im Verein, im Verband, im BDB und in der BDMV.

Er organisierte Internationale Jugendkapellentreffen, prägte die Deutschen Musikfeste in Chemnitz, Osnabrück und Ulm und brachte seine Erfahrung auch in die Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände (BDMV) ein, deren 1. Vizepräsident er bis 2026 war. Ob bei Fragen zu GEMA, Künstlersozialkasse, Versicherungen oder Förderprogrammen: Weber war und ist ein versierter Ansprechpartner, der die Herausforderungen der Vereine kennt und Lösungen sucht. Für sein langjähriges Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg. Die BDMV und die CISM ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitglied.

Während Michael Weber die Blasmusik vor allem aus der Perspektive des aktiven Musikers, Jugendförderers und Organisators prägte, brachte Klaus-Peter Mungenast eine andere, ebenso wertvolle Expertise in das Präsidium des BDB ein: seinen profunden Sachverstand in Verwaltungs-, Rechts- und Finanzfragen. Als langjähriger Bürgermeister von Kappelrodeck, Kreisrat im Ortenaukreis und Lehrbeauftragter an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl kennt er die Strukturen und Entscheidungswege öffentlicher Institutionen aus eigener Erfahrung. Dieses Wissen machte ihn zu einem wichtigen Ideengeber und Berater – insbesondere dann, wenn es um Satzungen, Ordnungen und rechtliche Rahmenbedingungen der Verbandsarbeit ging. Mungenast stand von 2002 bis 2024 an der Spitze des Acher-Renchtal-Musikverbands und gehörte seit 2010 als Vizepräsident dem Präsidium des BDB an.

Dort engagierte er sich unter anderem in der Finanzkommission und im Akademiebeirat und übernahm zahlreiche repräsentative Aufgaben. Auch über den BDB hinaus war seine Stimme gefragt: Als Schatzmeister des Landesmusikverbandes Baden-Württemberg vertrat er neun Jahre lang die Interessen der elf Dachverbände der Amateurmusik. Beim Bundesmusikverband Chor und Orchester wirkt er in der Programmkommission für die jährlichen Tage der Chor- und Orchestermusik mit und bildet zugleich eine wichtige Schnittstelle für den BDB auf Bundesebene. Sein langjähriger Einsatz wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Klaus-Peter Mungenast und Patrick Rapp, Hauptversammlung des BDB 2026 in Zell.

Sein profunder Sachverstand in Verwaltungs-, Rechts- und Finanzfragen machte Klaus-Peter Mungenast viele Jahre lang zu einem wertvollen Mitglied im Präsidium des BDB.

Mit Michael Weber und Klaus-Peter Mungenast verabschiedet der BDB zwei Persönlichkeiten, die ihre unterschiedlichen Kompetenzen in den Dienst einer gemeinsamen Sache gestellt haben. Der eine mit seiner tiefen Verwurzelung in der musikalischen Praxis, seinem Organisationstalent und seinem unmittelbaren Draht zur Vereinsbasis; der andere mit seinem juristischen und verwaltungsfachlichen Wissen, seinem strategischen Blick und seiner Fähigkeit, komplexe Rahmenbedingungen einzuordnen. So unterschiedlich ihre Wege auch sind: Beide haben die Verbandsarbeit über viele Jahre mitgeprägt und dazu beigetragen, die Interessen der Blasmusik wirkungsvoll zu vertreten. Mehr noch. Beide zeigen, dass Engagement für die Blasmusik viele Formen kennt – und dass Verantwortung dort weiterlebt, wo Menschen bereit sind, ihre Fähigkeiten und ihre Zeit für andere einzusetzen. Und so steht zumindest Michael Weber mit 72 Jahren wieder dort, wo seine eigene Ehrenamtskarriere begann: im Instrumentalunterricht im Probelokal.

Martina Faller