Mit personellen Entscheidungen, intensiver Gremienarbeit und dem Blick auf die Zukunft der Amateurmusik hat der Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) bei seiner Hauptversammlung in Zell am Harmersbach wichtige Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Die Delegierten bestätigten Dr. Patrick Rapp MdL einstimmig im Amt des Präsidenten. Mit Guido Kaltenbrunn und Harald Eßig ziehen zwei neue Mitglieder in das Präsidium ein. Inhaltlich standen die Stärkung der Musikvereine, der Abbau bürokratischer Hürden und eine bessere Kommunikation zwischen Verband und Mitgliedsvereinen im Mittelpunkt.

Die einstimmige Wiederwahl von Dr. Patrick Rapp ist ein deutliches Zeichen des Vertrauens in die bisherige Arbeit des Präsidenten und in die gemeinsame Ausrichtung des Verbandes. Besonders vor dem Hintergrund des Verbandsjubiläums und der 100-jährigen Geschichte des Verbandes verbindet sich damit der Auftrag, die Interessen der Blasmusik und der Amateurmusik weiterhin mit Nachdruck zu vertreten.

„Es ist unser Auftrag und unsere Verpflichtung, dieses Erbe anzunehmen und die Vielfalt in unserem Verband zu erhalten“, sagte Präsident Dr. Patrick Rapp zum Auftakt der Hauptversammlung im Tellerbau in Zell am Harmersbach. Dies gelte erst recht in Zeiten, in denen sich die Rahmenbedingungen für die musikalische Vereinsarbeit durch Einsparungen in den Haushalten der Kommunen und bei den Förderungen auf Landes- und Bundesebene zunehmend verschlechtern. Die Stärkung der Vereine ist und bleibt für den BDB deshalb wichtigster kulturpolitischer Auftrag und die Frage, wie Vereine als tragende Säulen des gesellschaftlichen Zusammenhalts gestärkt werden können, weiterhin zentral.

Bürgermeister Günter Pfundstein, Hauptversammlung BDB 2026 Zell

Bürgermeister Günter Pfundstein begrüßte die Delegierten des Bundes Deutscher Blasmusikverbände im historischen Rundofen im Zentrum von Zell am Harmersbach.

Der Abbau bürokratischer Hürden zur Entlastung der ehrenamtlich Engagierten wird dabei eine wichtige Rolle spielen, damit die Vereine wieder mehr Kapazität für das Kerngeschäft Musik haben. Das Präsidium beschloss, einen Impuls dazu aus dem Acher-Renchtal-Musikverband aufzugreifen, eine entsprechende Initiative vorzubereiten und in Abstimmung mit dem Landesmusikverband an die Politik heranzutragen. „Wir müssen in der Politik sichtbar machen, was die Blasmusik leistet, und den übergeordneten Verbänden und der Politik entsprechende Signale senden, um dem Ehrenamt zu helfen“, betonte Präsident Dr. Patrick Rapp MdL.

Das Thema Kommunikation beschäftigte die Delegierten indes auch im Hinblick auf die internen Abläufe. „Das Kommunikationsverhalten in der Gesellschaft verändert sich“, bemerkte Rapp. „Deshalb muss sich auch die Art und Weise, wie Verbände und Vereine mit ihren Mitgliedern kommunizieren, verändern.“ Die Frage, wie Informationen, Anliegen und Impulse künftig noch besser vom Dachverband und den Mitgliedsverbänden an die Vereine und die einzelnen Vereinsmitglieder, Musikerinnen und Musiker vermittelt werden können, wird die Delegierten deshalb auch bei der Herbstklausur 2027 beschäftigen. Aus gutem Grund: Denn die Zukunft der Blasmusik entscheidet sich nicht allein in den Gremien, sondern vor allem dort, wo Menschen Woche für Woche gemeinsam musizieren, Konzerte gestalten, junge Menschen fördern und Verantwortung für das kulturelle Leben vor Ort übernehmen.

Patrick Rapp: „Das Ehrenamt kann was“

„Unsere Vereine haben alles da: Hier kommen Menschen aus unterschiedlichen Generationen und Berufen zusammen, hier werden Teamwork und ein Miteinander gelebt – im Grunde ersetzen sie staatliche Sozialarbeit“, betonte Rapp. Dafür sowie für die musikalische und kulturelle Bildungsarbeit der Vereine leisten der Verband mit seinen Serviceleistungen und die BDB-Musikakademie mit ihrem Bildungsangebot eine wichtige Unterstützung. Aktuell steht hier insbesondere der Ganztag an den Grundschulen im Fokus. „Der Ganztag ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance“, unterstrich der Verbandspräsident. Damit die Vereine diese Chance nutzen können, wird in der BDB-Musikakademie gerade ein Bildungsangebot zur Musikpädagogik im Ganztag ausgebaut und gleichzeitig ein Chatbot programmiert, der auf der Webseite des Verbands in Kürze Auskunft zu allen Fragen rund um das GaFöG in Baden-Württemberg gibt.

BDB-Musikakademie und das Kulturhotel des BDB: Auf einem guten Weg

Dass die 2024 bezogene BDB-Musikakademie und das Kulturhotel des BDB selbst Gegenstand der Berichte und Beratungen waren, versteht sich von selbst. Nach der schwierigen Anfangsphase konnten sich beide Institutionen in den vergangenen zwei Jahren wirtschaftlich zunehmend stabilisieren. Das bestätigten auch die Zahlen, die Vizepräsident Ralph Beck, Finanzen, der Hauptversammlung vorlegte. „Die schwierige Anfangsphase liegt hinter uns. Die Zahlen lügen nicht, sondern geben Auskunft, dass wir auf einem guten Weg sind“, betonte Beck. Die laufenden Auswertungen ließen erwarten, dass das Kulturhotel 2026 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen wird. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die Musikakademie, die mit ihren Veranstaltungen und Kursen rund eine Million Euro Umsatz für das Kulturhotel generiere. Das Kulturhotel selbst konnte seinen Umsatz um 22 Prozent steigern und wird – laut Prognose – 2026 eine Auslastung von 58 Prozent erreichen. Auch Präsident Dr. Patrick Rapp MdL würdigte die Entwicklung. „Aus dem Ehrenamt heraus eine solche Einrichtung zu entwickeln und zu führen, ist bemerkenswert. Wir sind auf einem sehr guten Weg“, stellte er fest. Akademieleiter Christoph Karle ordnete die Entwicklung mit Blick auf die unterschiedlichen wirtschaftlichen Potenziale der beiden Bereiche ein. Bei der Akademie seien weitere Umsatzsteigerungen nur noch in geringem Umfang möglich. Größere Entwicklungsmöglichkeiten sieht Karle hingegen beim Kulturhotel. Hier gilt es, die Auslastung weiter zu steigern: 65 Prozent sind hier das erklärte Ziel für 2027. Um das zu erreichen, sollen die Marketingaktivitäten speziell für die Sparten Tagung und Tourismus in den kommenden Monaten intensiviert und die Effizienz in den operativen Abläufen weiter gesteigert werden.

Kontinuität und neue Impulse im Präsidium des BDB

Wie vor zwei Jahren bei der Hauptversammlung in Geisingen angekündigt, wurde in Zell die personelle Erneuerung des Präsidiums fortgeführt.

Und so ergaben sich durch die Neuwahlen personelle Veränderungen im Präsidium des Bundes Deutscher Blasmusikverbände: Aus dem Präsidium verabschiedete die Hauptversammlung mit langanhaltendem, stehendem Applaus und spürbar großer Wertschätzung Michael Weber und Klaus-Peter Mungenast, die sich über viele Jahre und Jahrzehnte für den Verband engagiert und wertvolle Auf- und Entwicklungsarbeit für den BDB geleistet haben. In Anerkennung ihrer Verdienste wurden beide zu Ehrenmitgliedern des BDB ernannt.

Michael Weber und Klaus-Peter Mungenast, Verabschiedung Hauptversammlung BDB 2026 Zell

Zwei langjährige Weggefährten verabschiedeten sich aus dem Präsidium: Michael Weber (links) und Klaus-Peter Mungenast.

In vielen Rollen im Einsatz: Stefan Polap, Präsident des Blasmusikverbandes Kinzigtal und Hauptorganisator des Tagungswochenendes, wurde geehrt und stand mit seinen Schwarzwald-Musikanten im Tellerbau in Zell a. H. auf der Bühne.

Neu in das Präsidium gewählt wurden Guido Kaltenbrunn, Präsident des Blasmusikverbandes Hochschwarzwald, und Harald Eßig, Präsident des Blasmusikverbandes Karlsruhe. Mit ihrer Wahl gewinnt das Gremium zwei neue Impulsgeber und neue Perspektiven aus der Verbandspraxis.

Im Ehrenamt fürs Ehrenamt

Wie viel persönlicher Einsatz hinter einer lebendigen Verbands- und Vereinslandschaft steht, wurde beim Gesellschaftsabend deutlich. Präsident Dr. Patrick Rapp würdigte neun Verbandsverantwortliche aus dem Blasmusikverband Kinzigtal und dem BDB für ihr langjähriges Engagement und zeichnete sie mit Nadeln und Urkunden persönlich für ihre Verdienste um die Blasmusik aus. Für den Blasmusikverband Kinzigtal wurden Martina Lauble für zehn Jahre, Manfred Schafheutle für 15 Jahre und Stefan Polap für 25 Jahre Engagement geehrt. Im BDB erhielten Rainer Gehri eine Auszeichnung für zehn Jahre sowie Ralph Beck, Klaus-Peter Mungenast, Marco Geigges und Simon Geigges für jeweils 15 Jahre und Johannes Brenke für 25 Jahre verdienstvolle Tätigkeit. In seiner Würdigung stellte Rapp die gesellschaftliche Bedeutung dieses Einsatzes heraus: „Wovon die Politik gerne spricht – vom gesellschaftlichen Zusammenhalt –, dazu tragen diese Menschen mit ihrem langjährigen, verdienstvollen Engagement maßgeblich bei. Denn keine politische Rede bringt etwas, wenn es nicht Menschen gibt, die es tragen und leben.“ Die Auszeichnung machte deutlich, dass ehrenamtliche Verantwortung weit über organisatorische Aufgaben hinausgeht. Sie schafft Begegnungen, ermöglicht kulturelle Teilhabe und hält Gemeinschaft lebendig.

Schöner Rahmen und herzliche Gastfreundschaft

Für einen stimmungsvollen Rahmen des Tagungswochenendes sorgten die Stadt Zell am Harmersbach und der Blasmusikverband Kinzigtal. Beim Sektempfang im historischen Rundofen begrüßte Bürgermeister Günter Pfundstein die Gäste in einem eindrucksvollen industriellen Denkmal, das heute als Ort für Kultur und Begegnung dient.

Der musikalisch umrahmte Empfang bot Gelegenheit zum Austausch über Verbands- und Vereinsgrenzen hinweg. Ein besonderer Dank des BDB galt dem Blasmusikverband Kinzigtal sowie dessen Präsident Stefan Polap und seiner Frau Daniela für die Organisation des Wochenendes und die herzliche Gastfreundschaft beim Gesellschaftsabend. Die Hauptversammlung verband damit wichtige Entscheidungen für die Verbandsführung mit einer inhaltlichen Standortbestimmung und der Würdigung jener Menschen, die die Blasmusik mit ihrem Engagement tragen. Mit einem im Amt bestätigten Präsidenten, zwei neuen Präsidiumsmitgliedern und klar benannten Aufgaben geht der BDB die kommenden Herausforderungen an. Sein Ziel bleibt, die Musikvereine zu stärken, das Ehrenamt zu unterstützen und die Blasmusik als lebendigen Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens weiterzuentwickeln.

Martina Faller

Der historische Rundofen, Veranstaltungsort Hauptversammlung BDB 2026

Ein faszinierendes Industriedenkmal: Der historische Rundofen bot eine stimmungsvolle Kulisse für den Sektempfang der Stadt Zell.