„Wenn dich dein Leben nervt, streu Glitzer drauf!“ – was zunächst wie ein augenzwinkerndes Motto klingt, erwies sich beim Kurs „Singen und Musizieren in Vielfalt“ als treffende Metapher für ein Fortbildungswochenende, das Inspiration, Praxisnähe und künstlerische Leichtigkeit miteinander verband. Unter der Leitung der Musikpädagogin und Sängerin Sonja Oellermann erlebten die Teilnehmenden eine Fortbildung, die ihrem Titel in jeder Hinsicht gerecht wurde.
Bereits der Einstieg ließ aufhorchen: Statt klassischer Vorstellungsrunde brachte ein jazzig angehauchter „Joes Moonblues“ Bewegung in die Gruppe. Schnell wurde klar, dass hier nicht nur über Musik gesprochen, sondern Musik erlebt wird. Im Zentrum stand die Frage, wie Singen, Bewegung und kreatives Musizieren als ganzheitliche Bildungsinstrumente für Kinder eingesetzt werden können – ein Anliegen, das angesichts wachsender Anforderungen an pädagogische Arbeit aktueller kaum sein könnte.
Die Kinderstimme entdecken – und die eigene gleich mit
Ein Schwerpunkt des Kurses lag auf der kindgerechten Stimmbildung. Mit fantasievollen Übungen – mal summten die Teilnehmenden wie Bienen, mal „fuhren“ sie mit der Stimme Aufzug – wurde ein Zugang zur Kinderstimme geschaffen, der spielerisch und zugleich fundiert war. Dabei zeigte sich ein bemerkenswerter Nebeneffekt: Auch die Erwachsenen profitierten unmittelbar. „Jetzt weiß ich endlich, wie man richtig atmet!“, resümierte eine Teilnehmerin nach den ersten Einheiten. Tiefenatmung und Entspannung stellten sich fast nebenbei ein.
Ein für viele neuer Ansatz war die gebärdenunterstützende Arbeit beim Singen und Sprechen. Durch einfache, prägnante Gesten – etwa ein auf die Hand gemaltes „s“ oder ein energischer Seitenhieb für das „k“ – wurden Konsonanten bewusster artikuliert. Diese Methode fördert nicht nur die sprachliche Klarheit, sondern stärkt zugleich Konzentration und Körperbewusstsein.
Musik mit allen Sinnen
Wie vielfältig musikalisches Lernen gestaltet werden kann, zeigte sich in den praktischen Einheiten zur Liedgestaltung. Gemeinsam erarbeiteten die Teilnehmenden Kriterien für die Auswahl geeigneter Kinderlieder und lernten, diese kreativ weiterzuentwickeln. Dabei ging es stets um ganzheitliches Erleben: Materialien wurden ertastet, Bewegungen integriert, Gebärden eingesetzt.
Ein besonders eindrückliches Beispiel war die Arbeit mit Alltagsgegenständen. Säckchen mit unterschiedlichen Materialien wanderten durch die Runde, und plötzlich wurden einfache Steine zu klangvollen, erzählerischen Elementen. „So habe ich das Steine-Lied noch nie erfahren“, staunte ein Teilnehmer.
Das musikalische Spektrum des Wochenendes war bewusst breit angelegt. Internationale Lieder wie „Salibonani“, rhythmische Übungen und ein eigens komponierter Rap („Mitten ins Herz“) wechselten sich mit klassischer Musik ab. Gerade Letztere erhielt im Kurs eine neue, überraschend lebendige Dimension.
Mit Bodypercussion wurde Mozart körperlich erfahrbar, fächerübergreifendes Arbeiten praktisch erprobt. Am Abend und am folgenden Morgen standen Werke von Beethoven und Vivaldi im Mittelpunkt – jedoch fernab traditioneller Rezeptionsformen. „Für Elise“ oder „Der Frühling“ wurden nicht nur gehört, sondern bewegt, gespürt und neu interpretiert. Sogar ein kreatives Aufeinandertreffen von Queen und Beethoven fand statt. Der Höhepunkt: die gemeinsame Umsetzung des Gelernten in eigenen Interpretationen von Vivaldis „Herbst“ und „Winter“. Hier entstanden jene „magischen Momente“, von denen viele Teilnehmende noch lange berichten dürften.
Musik als Schlüsselkompetenz
Neben der Praxis vermittelte Oellermann auch fundiertes Hintergrundwissen. Themen wie Musik im Ganztag, das Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) oder die Rolle klassischer Musik im Alltag wurden verständlich eingeordnet. Dabei wurde deutlich, wie zentral Musik für die Entwicklung von Kindern ist – nicht nur künstlerisch, sondern auch sprachlich, sozial und emotional.
Die Fortbildung griff damit zentrale Aspekte moderner Musikpädagogik auf: die Verbindung von Singen, Bewegung und kreativem Ausdruck, die Förderung von Sprache und sozialem Miteinander sowie die Integration kultureller Vielfalt. Musik wurde als Medium erfahrbar, das Brücken baut – zwischen Fächern, Kulturen und Menschen.
Mut machen für die Praxis
Besonders nachhaltig wirkte die Ermutigung, das Gelernte in die eigene pädagogische Praxis zu übertragen. „Ein toller Kurs mit vielen praktischen Anwenderbeispielen“, lautete ein Fazit aus der Gruppe. Teilnehmerin Martina Klink brachte es auf den Punkt: „Der Kurs war richtig super. Frau Oellermann hat uns mit ihrer großen Erfahrung Mut gemacht, um auch in die Kindergärten und Schulen zu gehen und mit Kindern zu singen. Es wurde auch ganz deutlich, dass dies unbedingt notwendig ist.“
Sonja Oellermann, gebürtig aus Südafrika und seit vielen Jahren in Bruchsal tätig, überzeugte durch ihre Mischung aus fachlicher Kompetenz, künstlerischer Leidenschaft und pädagogischem Feingefühl. Als Chorleiterin und zertifizierte Fachkraft bringt sie einen reichen Erfahrungsschatz mit, den sie praxisnah und inspirierend weitergibt.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Wochenendes, das weit über eine klassische Fortbildung hinausging. „Erfrischend anders“ – so lautete das Fazit vieler Teilnehmender. Oder, um im Bild des Einstiegs zu bleiben: Dieser Kurs hat nicht nur Glitzer verstreut, sondern nachhaltige Impulse gesetzt – für eine musikalische Bildungsarbeit, die Kinder stärkt und begeistert.
Sonja Oellermann/ Martina Faller