Seit rund zwei Jahren unterstützt der Landesmusikverband die Vereine der Amateurmusik mit dem Seminarkonzept EMA. Über 500 Teilnehmende haben die Seminare der Ehrenamts-Management-Ausbildung bisher genutzt, um sich für die Vorstandsarbeit zu stärken. Ab September geht es mit erweitertem Angebot weiter. Wie sich das Seminarkonzept weiterentwickelt, welche Möglichkeiten der Qualifizierung und welche Vorteile es ehrenamtlich Engagierten bietet, darauf geht Dr. Petra Schneidewind im Interview mit der blasmusik ein.

blasmusik: Wenn ich die Musikerinnen und Musiker in meinem Verein fragen würde „Was ist EMA?“ bekäme ich vermutlich von 99 % ein Achselzucken zur Antwort. Was ist Ihre Einschätzung: Ist EMA schon im Bewusstsein der Amateurmusik angekommen?

Schneidewind: Leider nein, zumindest nicht flächendeckend oder gar viral. Das wäre unser Wunsch gewesen, was bei ca. 1 Mio. Personen der Zielgruppe, allein in der Amateurmusik von Baden-Württemberg, theoretisch auch möglich wäre, sodass der Multiplikatorenoder Schneeballeffekt einsetzt! Aber die Realität sieht anders aus.

blasmusik: In der BDB-Musikakademie zeichnet sich seit längerem die Tendenz ab, dass – während die Instrumentalkurse und Festivals boomen – das Interesse für die überfachlichen Kurse stagniert oder sogar nachlässt. Ist diese Entwicklung auch in den anderen Verbänden der Amateurmusik zu beobachten?

Schneidewind: Einen genauen Überblick über alle Verbände habe ich da nicht, aber ich kann sicher sagen, dass das Interesse speziell an den Themen des Ehrenamts-Managements eher gering ist, trotz nachweislich hohem Bedarf. Von den Geschäftsstellen bekommen wir die Rückmeldung, dass oft Anfragen an sie gerichtet werden, die durch Seminare der Weiterbildung EMA eigentlich beantwortet werden.

blasmusik: Kann man von einer Fortbildungsmüdigkeit sprechen? Oder trügt der Eindruck und die Engagierten holen sich ihr Know-how inzwischen woanders?

Schneidewind: Ich sehe keine Alternative, wo man sich das Know-how in einem vergleichbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis holen könnte. Wir haben bei der Konzeption auf eine niederschwellige Zugangsmöglichkeit geachtet. Das betrifft mehrere Dimensionen, den Zeitaufwand, die Formate, die Einstiegsmöglichkeiten, die Kosten, um einige gängige Barrieren zu nennen. Aber es deckt sich mit der vorangegangenen Frage: Es fehlt grundsätzlich die Bereitschaft, noch mehr Zeit für die ehrenamtlichen Aufgaben zur Verfügung zu stellen.

blasmusik: Welche Auskunft geben dazu die EMA-Zahlen? Wie viele Teilnehmende kann EMA drei Jahre nach dem Start verzeichnen?

Schneidewind: Die EMA-Seminare verzeichnen in den letzten zwei Jahren nun 510 Teilnahmen über alle Angebote hinweg. Auch in diesem Frühjahr fanden bereits einige Online-Seminare statt, da evaluieren wir am Jahresende. Das klingt nach einer beachtlichen Zahl, die gewünschte Auslastung war aber seitens der veranstaltenden Verbände noch nicht erreicht.

blasmusik: Die Bedarfe und die Herausforderungen für die Vereine haben sich ja nicht geändert. Was braucht es, damit Vereinsverantwortliche erkennen, dass Engagement, Leidenschaft und Herzblut allein nicht ausreichen, um die Existenz und Zukunft des Vereins zu sichern?

Schneidewind: Nach meiner Einschätzung ist das Problem weitestgehend erkannt, aber die Lösung noch nicht gefunden! Es werden zunächst ausreichend engagierte Personen benötigt, im zweiten Schritt können dann, wo notwendig, Kompetenzen erweitert oder gestärkt werden.

blasmusik: Das Stichwort Qualifizierung – dieses Stichwort bringt uns zurück zu den Anfängen von EMA. Welche Idee steckt hinter EMA und wie ist die Ausbildung aufgebaut?

Schneidewind: Unser Anliegen war es, ein bedarfsgerechtes, passgenaues Konzept zu entwickeln. Wir haben viel Zeit und Sorgfalt in die Bedarfsanalyse gesteckt, um hier möglichst nichts zu übersehen. Es wurden Personas definiert, die sich in ihren Erwartungen, Motivationen und Zugangsmöglichkeiten unterschieden haben. Die daraus entstandene modulare, flexible und individuell nutzbare Konzeption sollte möglichst viele Zugangsmöglichkeiten schaffen.

blasmusik: Konkret gefragt: Was muss ich als Vereinsverantwortliche tun, um das EMA-Zertifikat zu erwerben?

Schneidewind: Grundsätzlich kann mit jedem Seminar begonnen werden. Für alle einzelnen Termine werden Teilnahmezertifikate ausgestellt. Das Zertifikat Ehrenamtsmanagerin oder Ehrenamtsmanager kann dann ausgestellt werden, wenn die Teilnehmenden aus dem EMA-Angebot insgesamt 100 Punkte, sogenannte E-Credits erworben haben (Anm. der Redaktion: Mehr über E-Credits erfahrt Ihr in der Infobox auf Seite 8).

blasmusik: Das hört sich so an, als könnte das modulare und flexible Seminarkonzept ein gutes Rezept gegen die Fortbildungsmüdigkeit und ein zeitgemäßes Mittel zur Qualifizierung von Ehrenamtlichen sein, oder?

Schneidewind: Davon sind wir nach wie vor überzeugt. Es braucht aber auch Zeit und Geduld, da sind wir dankbar, dass der LMV dafür Rückendeckung gibt. Wir nutzen die Chance, laufend kleine Optimierungen durchzuführen, was aufgrund der angelegten Dynamik möglich ist.

blasmusik: Gehen wir in die Inhalte: Vereinsmanagement, Vereinsfinanzen und Vereinsrecht waren die Themen, mit denen EMA an den Start gegangen ist. Sind das die essenziellen Säulen der Vereinsarbeit?

Schneidewind: Ja, das sind Basiskenntnisse im Vereins-und Ehrenamtsmanagement, die für alle Funktionäre grundsätzlich relevant sind, unabhängig davon, welches Amt man im Verein ausfüllt.

blasmusik: Aktuell wird das Portfolio aus Kursen und Seminaren um die Bereiche Kommunikation und Marke erweitert. Warum ist es wichtig, dass ein Verein sich als Marke positioniert?

Schneidewind: Eine Marke hat einen Markenkern und eine Markenbotschaft, damit muss man sich identifizieren können. Gerade für die Gewinnung von neuen Mitgliedern, das gilt für aktiv Musizierende genauso wie für zu gewinnende Funktionsträger. Man spricht von einem Matching!

blasmusik: Noch kann man sich nicht zu allen im Modulhandbuch vorgesehenen Themen fortbilden. Der Bereich Verwaltung etwa steht noch aus. Können Sie einen Ausblick geben: Ab wann werden Seminare zum Bereich Vereinsverwaltung angeboten?

Schneidewind: Wir versuchen sukzessive die Themen abzuarbeiten. Das steht und fällt mit der Suche nach geeigneten Dozierenden und deren Verfügbarkeiten. Bei präsentischen Seminaren kommt die Raumsuche dazu, was gerade am Wochenende nicht immer ganz leicht fällt.

blasmusik: Ohnehin versteht sich EMA als dynamisches Seminarkonzept. Das Modulhandbuch ist also nicht in Stein gemeißelt. Die Themen werden stetig weiterentwickelt und passen sich an gesellschaftliche Entwicklungen an. Wird es bei EMA demnächst auch Seminare zur Nutzung von KI etc. geben?

Schneidewind: Das ist schon ziemlich konkret, um dieses Thema kommt man nicht herum! Die Offenheit des EMA-Konzepts gibt uns die Möglichkeit, auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Also klares Ja, ein Angebot zu KI kommt!

blasmusik: Die Themen lassen es bereits erahnen: Können Vereinsverantwortliche auch über die Vereinsarbeit hinaus von der EMA-Fortbildung profitieren?

Schneidewind: Sie meinen wohl den Mehrwert oder die Antwort auf die Frage: Warum sollte ich mich ehrenamtlich engagieren, was hab’ ich davon? Darüber haben wir auch bereits bei der Konzeption von EMA diskutiert und die Möglichkeiten der Anerkennung mitgedacht. Bei EMA wird das durch die E-Credits zum Ausdruck gebracht, diese sind sozusagen das Belohnungssystem.

blasmusik: Zum Schluss würde mich interessieren, ob es Engagierte gibt, die die Ausbildung bereits komplett durchlaufen haben. Anders gefragt: Konnten Sie schon Zertifikate ausstellen?

Schneidewind: Tatsächlich noch nicht, da das Angebot aus der Ebene 3 bisher nur sehr begrenzt war. Für uns ein Grund, warum es im Moment verstärkt Angebote in der Ebene 3 gibt. Wir wollen die Zielerreichung natürlich unterstützen. Es ist also in Kürze mit den ersten Absolventen zu rechnen!

blasmusik: Möchten Sie zum Abschluss einen Blick in die Zukunft wagen? Wo steht EMA in fünf Jahren?

Schneidewind: Ich formuliere das vielleicht als Vision. Das EMA-Team würde sich wünschen, dass die EMA-Angebote in der Amateurmusikszene des Landes bekannt sind und es zahlreiche Absolventen der Seminare gibt, die ihr positives Feedback weitergeben. Das Angebot ist kontinuierlich, gut ausgelastet und zeigt seine Wirkung in den Vereinen des Landes und trägt damit zu einer gesellschaftlichen Stärkung/Verbindung von Generationen und nicht zuletzt zur Pflege und Erhaltung der musikalischen Vielfalt bei.

Martina Faller