Sie haben gelernt zu dirigieren, Veranstaltungen zu organisieren, Gruppen anzuleiten, zu moderieren und musikalische Projekte zu planen. Nun zeigen die Musikmentorinnen und Musikmentoren 2026, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und das in der Ausbildung gelernte in die Praxis umzusetzen: In ihrer Projektphase entwickelten sie ein musikalisches Erlebnis für die Kinder und Jugendlichen des SOS-Kinderdorfs Sulzburg – und brachten dabei nicht nur Musik, sondern vor allem Begeisterung, Kreativität und Gemeinschaft mit.
Dass aus einer Gruppe Jugendlicher innerhalb weniger Wochen ein eigenständiges Projektteam werden kann, hatte bereits Lehrgangsleiter Thomas Epple beim Abschlusskonzert des Musikmentorenlehrgangs eindrucksvoll gewürdigt: „Ihr habt nicht nur Musik gemacht, sondern wertvolle Skills für Verein und Bühne gesammelt.“ Sein Fazit: „Ihr seid die Macher von morgen.“ Die Projektphase machte aus dieser Anerkennung gelebte Praxis.
Mit Musik zu Gast im SOS-Kinderdorf
Den Auftakt bildete ein Besuch von Verantwortlichen des SOS-Kinderdorfs in der BDB-Musikakademie ganz zu Beginn des Mentorenlehrgangs 2026. Die Jugendlichen erfuhren, worauf bei der Arbeit mit den Kindern zu achten ist – von pädagogischen Fragen bis hin zu Datenschutz und Bildrechten. „Wir haben erklärt bekommen, wie wir mit den Kindern umgehen sollen und was es zu beachten gilt“, berichtet Clemens Hagenacker. Anfang April folgte dann der erste Gegenbesuch in Sulzburg. Und natürlich kamen die Musikmentorinnen und Musikmentoren nicht mit leeren Händen: Mit einem kleinen Osterkonzert, Boomwhackers und selbst gebastelten Ostergeschenken sorgten sie für einen musikalischen Einstieg. Um das Eis zu brechen, zog das Lehrgangsorchester sogar mit Marschgabeln und Musik durch das SOS-Kinderdorf und setzten ihr Lehrgangsmotto klangvoll in die Tat um: „Ohren auf – die Klangbande kommt!“ Die zunächst teilweise schüchternen Kinder fassten schnell Vertrauen und machten begeistert mit.
Ein Tierorchester sucht seine Musiker
Den Höhepunkt der Projektphase bildete ein musikalischer Parcours. Mit dieser Idee knüpften die Musikmentorinnen und Musikmentoren an das Projekt des Vorjahres an: Ein großes Tierorchester möchte gemeinsam musizieren – doch alle Tiere sind verschwunden. Nun waren die Kinder gefragt, sie wieder zusammenzubringen. An verschiedenen Stationen konnten sie Rasseleier bauen, Puzzles zusammensetzen, Instrumente ausprobieren und musikalische Aufgaben lösen. Für jede gemeisterte Station gab es einen Tiersticker. Eine der beliebtesten Stationen war die große Trommel: Hier mussten die Kinder ein Tier „aufwecken“, indem sie einen Tennisball möglichst kräftig auf das Trommelfell warfen. Dass der Parcours funktionierte und gut ankam, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass viele Kinder gleich mehrere Runden drehten. „Die waren total happy und hatten viel Spaß“, erinnerte sich Leonie Vöckler, die am Start und Ziel des Parcours eingesetzt war.
Für die älteren Kinder und Jugendlichen hatten die Musikmentorinnen und Musikmentoren zusätzlich Graffiti, Karaoke und eine Loop-Station vorbereitet. Und auch die Gastgeber selbst wurden aktiv: „Was uns überrascht hat, war, dass die Kinder auch für uns etwas Musikalisches darbieten wollten. Drei Kinder haben sich ans Klavier gesetzt und für uns etwas gespielt“, erzählt Leonie gerührt.
Was vom Lehrgang bleibt
Dass die Projektphase im SOS-Kinderdorf so selbstverständlich gelingen konnte, kam nicht von ungefähr. Die Kompetenzen und Skills dafür haben die Jugendlichen im Musikmentorenlehrgang erworben und ausgebaut. Sie haben gelernt Ideen zu entwickeln, Projekte zu planen, Gruppen anzuleiten, vor anderen aufzutreten, Verantwortung zu übernehmen – und vor allem, sich selbst etwas zuzutrauen. „Wir haben total viel darüber gelernt, wie man Veranstaltungen plant und organisiert“, sagt Florian und bringt damit einen wichtigen Aspekt des Lehrgangs auf den Punkt. Auch für Leonie ist einiges besonders nachhaltig hängen geblieben: „Vor allem das Dirigieren ist bei mir hängen geblieben und wie man Partituren liest.“ Das Gelernte konnte sie in ihrem Musikverein bereits in einer Probe anwenden und einen Marsch dirigieren.
Doch auch die Kommunikation gehört zu den Fähigkeiten, die im Lehrgang ganz praktisch trainiert werden. Besonders wertvoll fanden die Jugendlichen die Einheit zum Präsentieren und Vortragen. „Cool war auch zu lernen, wie wir Präsentationen und Vorträge halten. Die Dozentin hat uns da viele Tipps gegeben und uns auf Kleinigkeiten hingewiesen, wie wir es besser machen können.“ Für Leonie ist das unmittelbar alltagstauglich: „Damit kann ich viel anfangen, zum Beispiel für Ansagen in Musikverein-Konzerten.“ Und auch in der Schule konnte sie das Erlernte bereits bei einer Präsentation anwenden.
Der Musikmentorenlehrgang wird damit zu einem geschützten Raum, in dem Jugendliche ausprobieren können, was sie sich vielleicht vorher noch nicht zugetraut hätten. „Der Musikmentorenkurs ist ein gutes Übungsfeld, wo man sich gut ausprobieren kann“, sagt Clemens. Dass dabei eine vertraute Gruppe und eine gute Gemeinschaft helfen, gehört für ihn dazu: „Es hilft, wenn man alle gut kennt und alles Freunde sind.“
Mehr Sicherheit, mehr Verantwortung
Alle vier Jugendlichen sind sich einig: Sie gehen gestärkt aus dem Musikmentorenlehrgang hervor. Im Bewältigen und Meistern der Projektaufgaben und Herausforderungen haben sie Sicherheit gewonnen und ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Dadurch fällt es ihnen heute leichter, sowohl im Verein als auch in der Schule Verantwortung zu übernehmen.
Und die ersten Konsequenzen sind bereits sichtbar. Nico darf künftig für ein Stück das Schulorchester dirigieren. Clemens hat bereits weitergedacht: Er möchte die Juleica erwerben und in ein paar Jahren Verantwortung in der Jugendleitung seines Vereins übernehmen.
Damit zeigt sich, was der Musikmentorenlehrgang im besten Sinne bewirken kann: Er vermittelt nicht nur Wissen, sondern ermutigt junge Menschen, dieses Wissen anzuwenden. Aus dem Mitmachen wird Verantwortung. Und aus einer Gruppe von Teilnehmerinnen und Teilnehmern entsteht eine Gemeinschaft, in der echte Freundschaften wachsen.
Und so wurde die Projektphase des Mentorenlehrgangs zu mehr als einer praktischen Übung. Sie ließ die Jugendlichen erfahren, dass musikalisches Engagement Wirkung entfalten kann – und dass Verantwortung dort beginnt, wo man bereit ist, sich auf andere einzulassen.
Genau darin liegt auch die besondere Bedeutung des Projekts. Beim Abschlusskonzert hatte Thomas Epple bereits mit Blick auf die bevorstehende Arbeit im SOS-Kinderdorf gesagt: „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Jugendliche für Kinder engagieren, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Es ist eine tolle Sache, Gutes tun zu dürfen.“ Die Musikmentorinnen und Musikmentoren haben diese Worte mit Leben gefüllt. Sie haben geplant, ausprobiert, Verantwortung übernommen und erlebt, wie aus einer musikalischen Idee ein gemeinsames Erlebnis wird. Ganz nebenbei haben sie genau das getan, was ein Musikmentorenlehrgang vermitteln will: Sie haben aus ihren Fähigkeiten etwas für andere gemacht. Und genau darauf kommt es ja auch im Vereinsleben an.
Im Musikmentorenlehrgang – der auf besondere Weise musikalische Ausbildung, Pädagogik, Organisation, Kommunikation mit der praktischen Umsetzung in der Projektarbeit verbindet – wachsen die Jugendlichen in die Verantwortung hinein und werden zu Gestaltern – und damit zu dem, was Thomas Epple ihnen beim Abschlusskonzert bereits attestierte: „zu den Machern von morgen“.
Text: Martina Faller
Fotos: Benjamin Barth