Manchmal geben nicht Dirigent und Anlass das musikalische Programm vor, sondern die Umstände. So geschehen im Juli 1980, als der Musikverein Espasingen die Gelegenheit hatte, beim Stadtfest in der französischen Partnerstadt La Roche-sur-Foron mitzuwirken.
Der Festumzug am Samstagabend versprach zunächst einen ganz klassischen Auftritt. Doch was folgte, blieb den Beteiligten bis heute lebhaft in Erinnerung: Die Espasinger Musiker bewegten sich durch ein Meer aus Menschen, begleitet vom flackernden Licht unzähliger Fackeln. Eine stimmungsvolle Kulisse – aber denkbar ungeeignet für Marschgabeln und Marschhefte.
Denn mit zunehmender Dunkelheit wurde schnell klar: An ein geregeltes Programm war nicht mehr zu denken, da es die Dunkelheit unmöglich machte Noten zu lesen. Dirigent Hubert Gnädinger reagierte pragmatisch. Die Noten verschwanden kurzerhand in den Uniformtaschen, und Gnädinger gab das Kommando zu einer spontanen Programmänderung: „Narrenmärsche!“
Was zunächst wie eine Notlösung klang, entpuppte sich als Volltreffer. Die ausgelassene Stimmung der Menge, die rhythmischen Klänge der Fasnachtsmärsche und die immer wieder durch die Lautsprecher hallende Ankündigung „Fanfare de la Espasingen“ verschmolzen zu einem besonderen Erlebnis. Die Musik passte plötzlich perfekt zur Atmosphäre – lebendig, mitreißend und ein wenig unkonventionell.
Bis heute gilt dieser Auftritt als einmalige Episode in der Vereinsgeschichte: Es war das bisher erste und einzige Mal in der Geschichte des Musikvereins Espasingen, dass bei einem offiziellen Anlass außerhalb der Fasnacht auf ausdrückliche Anweisung des Dirigenten Narrenmärsche gespielt wurden. Und genau das machte diesen Abend so unvergesslich.