Manchmal beginnt Musikgeschichte nicht in großen Konzertsälen, sondern an einem einfachen Wirtshaustisch – so auch in Todtmoos im Schwarzwald. Im Mättlewirtshaus saßen damals drei Männer zusammen: Bürgermeister Leo Trötschler, der Stabhalter Josef Zimmermann und der Hauptlehrer Anton Langeneckert. Während des Gesprächs kam Bürgermeister Trötschler auf ein Problem zu sprechen, das ihn sichtlich beschäftigte: Die Bürgermeisterei Todtmoos hatte keine eigene Musik mehr. Für Feste, kirchliche Anlässe oder besondere Tage fehlten schlicht die Musiker. Stabhalter Zimmermann reagierte darauf mit einem ebenso spontanen wie selbstbewussten Vorschlag. Er deutete auf den Lehrer am Tisch und sagte: „Unser Lehrer macht uns eine.“ Gemeint war natürlich eine Musikkapelle. Anton Langeneckert ließ sich nicht lange bitten – und sagte kurzerhand zu. Der Anfang war allerdings alles andere als komfortabel. Eines Tages fuhr der Fuhrmann Emil Maier mit einer großen Holzkiste vor das Schulhaus und lud sie dort ab. Darin befanden sich einige alte Musikinstrumente – der bescheidene Grundstock für das neue Ensemble. Doch in Todtmoos-Weg gab es offenbar mehr Musikbegeisterte, als Instrumente vorhanden waren. Viele wollten mitmachen, doch die vorhandene Ausstattung reichte nicht aus. Das tat der Begeisterung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die angehenden Musiker probten mit großem Fleiß und sichtlichem Erfolg. Gleichzeitig entschloss sich die Dorfgemeinschaft zu einer Sammlung, um weitere Instrumente anschaffen zu können. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Rund 200 Mark kamen zusammen – eine beachtliche Summe für die damalige Zeit. Davon wurden schließlich sechs neue Instrumente gekauft. Nur wenige Monate später war es so weit. Am 27. Januar 1896, dem Geburtstag von Kaiser Wilhelm II., trat die junge Kapelle erstmals öffentlich auf. In Vordertodtmoos erklangen die neuen Instrumente – und mit ihnen begann eine musikalische Tradition, die weit über diesen Wintertag hinausreichen sollte. Was mit einer Idee im Wirtshaus und einer Kiste alter Instrumente begann, entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des musikalischen Lebens der Region. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie viel Engagement, Gemeinschaftssinn und Begeisterung für die Musik in den frühen Vereinen steckten – und wie aus einer spontanen Idee ein Stück lebendige Musikgeschichte werden konnte.
Herbert Kiefer / Martina Faller