David Orlowsky ist ein gefragter Klarinettist. Seine Klänge begeistern sowohl bei seinen zahlreichen Live-Auftritten als auch auf seinen dreimal mit dem Echo Klassik ausgezeichneten CD-Aufnahmen. Bei Clarimondo, dem Festival für Klarinette vom 30. April bis 3. Mai 2026, wird er als Dozent dabei sein.

Eigentlich hatte der 1981 in Tübingen geborene Klarinettist David Orlowsky seine musikalische Laufbahn mit dem Schlagzeug begonnen. Auf einer Orchesterreise mit dem Jugendsinfonieorchester jedoch durfte er dann einmal in das Instrument des Soloklarinettisten blasen – und schon war es um ihn geschehen. „Ich habe das Gefühl sehr genossen, mit meinem Atem Musik zu machen – es hat sich angefühlt wie Singen“, erklärt David Orlowsky. Der Entschluss, Musik zu studieren und das Hobby zum Beruf zu machen, war eher ein langer Prozess als ein plötzlicher Entschluss: „Ich habe während meiner Schulzeit viele Konzerte gespielt und irgendwann war es einfach klar. Ich denke, man muss wirklich deutlich spüren, dass es der richtige Weg für einen ist. Zweifel kommen während des Studiums noch genug auf einen zu!“, schmunzelt er. Orlowsky absolvierte sein klassisches Klarinettenstudium bei Manfred Lindner an der Folkwang Universität der Künste in Essen sowie bei Charles Neidich und Ayako Oshima an der Manhattan School of Music in New York.

Die Kunst, Klassik und Klezmer zu verbinden

Mit dem im Alter von 16 Jahren gegründeten David Orlowsky Trio, das seine Zusammenarbeit 2019 nach 21 gemeinsamen Jahren beendete, tourte er durch die ganze Welt: Sie traten beispielsweise in der Berliner Philharmonie, dem Concertgebouw in Amsterdam oder der New Yorker Carnegie Hall auf. Dabei versuchten sie, die Grenzen zwischen Klassik und Klezmer auszuloten. „Klezmermusik ist gewissermaßen meine musikalische Muttersprache. Als 14-Jähriger habe ich ein Konzert von Giora Feidman besucht, und nach der ersten Note war es um mich geschehen. Diese Musik wollte ich unbedingt spielen. Auch das klassische Repertoire liegt mir sehr am Herzen. Für mich ergänzen sich diese beiden Welten wunderbar – von der Klezmermusik lerne ich viel für die Klassik und umgekehrt,“ so Orlowsky.

Die wichtigsten Momente sind Begegnungen mit anderen Musikern und Menschen“

Seine Einspielungen, die unter anderem bei Sony Classical und Warner Classics veröffentlicht worden sind und werden, wurden bereits dreimal mit dem Echo Klassik ausgezeichnet. Teilweise handelt es sich um Eigenkompositionen, aber auch um Bearbeitungen von Werken von John Dowland und Henry Purcell. Hierzu meint er jedoch: „Die wichtigsten Momente sind für mich immer die Begegnungen mit anderen Musikern und Menschen – weniger die Auszeichnungen oder große Bühnen.“ Aktuell arbeitet er mit dem Gitarristen Daniel Stelter und dem Schlagzeuger Tommy Baldu an einem neuen Album. Auch stehen im kommenden Frühjahr viele Konzerte mit Orchestern auf dem Programm, zum Beispiel Coplands Klarinettenkonzert, Osvaldo Golijovs „The Dreams and Prayers of Isaac the Blind“ sowie sein eigenes Klarinettenkonzert „Shadow Dancer“ in Schweden und Österreich, worauf er sich sehr freut. Bereits jetzt hat er weitere besondere Ideen und Projekte im Kopf, die er aber noch nicht verraten möchte: „Die gibt es auf jeden Fall – aber ich werde erst später darüber sprechen!“

„Findet einen Weg, Spaß am Üben zu haben – das macht vieles leichter“

Anfang Mai wird David Orlowsky als Dozent bei Clarimondo mitwirken. „Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, bin ich bei solchen Kursen sehr gerne dabei. Ich genieße die Begegnung mit anderen Musikern und Studierenden. Mir geht es vor allem darum, Freude an der Musik zu vermitteln und zum selbstständigen Arbeiten anzuleiten. Oft ist es aber so, dass ich mindestens genauso viel von den Studierenden lerne wie sie von mir. Ich hoffe, sie werden es nicht herausfinden“, scherzt er. Welchen Tipp er Nachwuchsklarinettistinnen und -klarinettisten und Amateurmusizierenden mit auf den Weg geben kann? „Findet einen Weg, Spaß am Üben zu haben – das macht vieles leichter. Also nicht nur stupide Tonleitern rauf und runter spielen, sondern versuchen, jede Übung mit Musik zu füllen. Und es ist wichtig, dass man musikalisch etwas zu erzählen hat. Wenn man zu viel übt und zu wenig erlebt, hat man musikalisch irgendwann nichts mehr mitzuteilen. Also nicht übertreiben und auch auf den Körper hören!“

Anette Weigold