Der Schweizer Saxophonist, Pädagoge und Dirigent Lars Mlekusch ist Professor für Saxophon, Kammermusik und zeitgenössische Musik an der Zürcher Hochschule der Künste und dirigiert große Orchester in einigen der renommiertesten Konzertsälen weltweit – darunter der Musikverein Wien, die Elbphilharmonie Hamburg, das Concertgebouw und Muzikgebouw Amsterdam und die National Concert Hall Taipei. Im Rahmen der Saxophonia 2026 wird er als Dozent gemeinsam mit Patrick Stadler den Meisterkurs Klassik leiten.

Der 1978 in Baden (Schweiz) geborene Lars Mlekusch begann seine Musikerkarriere ganz klassisch mit Blockflöte und Klarinette, bevor in seinem Blasorchester eine Tenorsaxophonstelle frei wurde, die er spontan übernahm und sich das Saxophonspiel zunächst autodidaktisch beibrachte. Erst mit 15 Jahren erhielt er professionellen Unterricht. Mit dem Lohn seiner Schulferienjobs kaufte er sich sein erstes Altsaxophon. Anfangs galt seine Leidenschaft vor allem dem Jazz, doch nach einem Workshop des Saxophonquartetts XASAX mit seinem späteren Professor Marcus Weiss entdeckte er seine Begeisterung für das klassische Saxophon, insbesondere für die faszinierenden Klangwelten der zeitgenössischen Musik. „Neben der Musik hatte ich viele andere Interessen: Ich malte gerne, sammelte Fossilien und Mineralien, und Themen wie Archäologie, Biochemie oder Architektur faszinierten mich ebenfalls. Letztlich entschied ich mich aber für die Musik. Wohl auch, weil ich befürchtete, bei jedem anderen Beruf später zu wenig Zeit dafür zu haben“, erklärt Mlekusch.

Saxophonstudium, Dirigat und der Kampf gegen die Musikerkrankheit Fokale Dystonie

Bis 2004 studierte Mlekusch klassisches Saxophon, war jedoch schon immer vom Dirigieren fasziniert. Bereits als Jugendlicher hatte er Dirigierkurse des Schweizer Blasmusikverbands besucht. Ab 2008 nahm er wieder Dirigierunterricht, zunächst bei Emilio Pomàrico in Mailand, der zu seinem wichtigsten Mentor wurde, später auch bei Arturo Tamayo in Lugano. Wichtige Impulse erhielt er zudem von Peter Eötvös. Daneben konzertierte Lars Mlekusch weiterhin als Saxophonist, dirigierte parallel aber auch das Vienna Saxophonic Orchestra sowie gemischte Ensembles an der Konservatorium Wien Privatuniversität (heute MuK), wo er als Professor tätig war. Aufgrund einer fokalen Dystonie, einer Musikerkrankheit, die sich in neurologischen Bewegungsstörungen und Muskelkontraktionen äußert und die ihn leider schon früh begleitete, entschied er sich 2016, seine aktive Laufbahn als Saxophonist zu beenden. Auslöser war eine Einladung von Valery Gergiev zu einem Konzert im Mariinsky-Theater in St. Petersburg: „Ich hatte das Gefühl, meinen eigenen Ansprüchen im Kampf mit der Dystonie nicht mehr gerecht zu werden, und sagte das Konzert schließlich ab, ebenso alle weiteren geplanten Auftritte. Diese Entscheidung war schwierig, aber auch befreiend,“ so Mlekusch. Das Dirigieren nahm dann schnell den Platz des Saxophonspiels ein: Statt täglichem Üben standen nun Partiturstudium, die intensive Beschäftigung mit Orchesterinstrumenten, erweiterte Spieltechniken und Probenarbeit im Mittelpunkt.

Der Saxophonunterricht ist und bleibt jedoch weiterhin eine ganz große Leidenschaft. Diesen gibt er zusammen mit den Kursen für Kammermusik und Neue Musik an der Zürcher Hochschule der Künste und als Gast weltweit an renommierten Hochschulen. Da das Niveau der Studierenden sehr hoch ist, geht es inhaltlich viel um musikalische Gestaltung. „Die instrumentale Technik bleibt dabei natürlich ein unverzichtbares Fundament, um sich künstlerisch klar ausdrücken zu können. Im Unterricht spiele ich, wenn es mir sinnvoll erscheint, noch auf meinen Saxophonen, eigentlich fast in jeder Unterrichtsstunde. Zwar erschwert die fokale Dystonie das Spielen, doch kann ich glücklicherweise weiterhin viele Dinge praktisch zeigen – gerade in der zeitgenössischen Musik lassen sich bestimmte Klänge durch Vormachen oft besser vermitteln als durch Worte.“

Fokus auf Dirigieren

Aufgrund seiner Musikerkrankheit liegt der künstlerische Fokus heute auf dem Dirigat. Gerade im vergangenen Herbst durfte sich Mlekusch vielen schönen Projekten widmen: Nach spannenden Konzerten bei den Festivals Klangspuren in Tirol und Transart in Südtirol war er als Gast am Tokyo College of Music, wo er mit dem Hochschulorchester unter anderem Schönbergs Kammersymphonie op. 9 und Ligetis Kammerkonzert aufführte, zwei seiner absoluten Lieblingswerke. Zusätzlich gab er Meisterkurse für Saxophon und Kammermusik. Mlekusch freut sich bereits darauf, im Dezember die Uraufführung eines neuen Werks für Saxophon und Ensemble von Nicolas Tzortzis zu dirigieren: „Die komplexe Partitur ist ungemein anspruchsvoll, wie auch die Parts für die Musikerinnen und Musiker. Das Werk dauert über eine halbe Stunde, ist aber bei den fantastischen Orchestermitgliedern des Nouvel Ensemble Contemporain (NEC) und dem brillanten Solisten Vincent Daoud in besten Händen.“

Saxophonia im März 2026 in Staufen

Die Teilnehmenden des Saxophonkurses Saxophonia im kommenden März haben die Möglichkeit, den Meisterkurs Klassik (gemeinsam mit Patrick Stadler) sowie den Kurs „Intuitive Musik für Saxophon“ bei Lars Mlekusch zu belegen. Was werden die Schwerpunkte sein? „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit meinem hochgeschätzten Kollegen Patrick Stadler. Im Unterricht bin ich offen und gehe auf die individuellen Bedürfnisse der Studierenden ein. Neben technischer und musikalischer Arbeit am Saxophonrepertoire werden wir in einem Workshop gemeinsam (vielleicht noch ungewohnte) Klänge erforschen und sie in einem Stück intuitiver Musik von Karlheinz Stockhausen einsetzen. Da Saxophonistinnen und Saxophonisten nur selten Gelegenheit haben, in einem Sinfonieorchester zu spielen, ist dies für viele ein besonders aufregender Moment. Die Saxophonisten sind in der Regel hervorragend vorbereitet und hochmotiviert. Sich im Orchesterklang einzufügen, etwa hinsichtlich Intonation oder Vibratoeinsatz, ist jedoch anspruchsvoll, selbst für gute Musikerinnen und Musiker, wenn sie wenig Orchestererfahrung haben. Saxophone mit Blasorchesterhintergrund tun sich in dieser Situation oft etwas leichter.“

Anette Weigold