Kurz vor der Einweihung wurde noch einmal eine Baustelle eröffnet: Auf dem Vorplatz der BDB-Musikakademie wurde das Pflaster aufgerissen und erneut Beton angemischt. Aus besonderem Grund: Eine Stahlskulptur des Staufener Künstlers Nobi Bühler wurde einbetoniert und ziert seitdem als Kunst am Bau das neue Akademiegebäude. Die Skulptur ist ein Geschenk der Mitgliedsverbände im Bund Deutscher Blasmusikverbände und Ausdruck einer großen Geschlossenheit. Wie es zu dem Gemeinschaftsgeschenk kam und welche Idee sich dahinter verbirgt, darüber unterhält sich Peter Hässler im Interview mit Martina Faller.

blasmusik: Herr Hässler, als Sprecher der 16 Mitgliedsverbände haben Sie beim Festakt zur Einweihung der BDB-Musikakademie die Skulptur ‚en miniature‘ an den Präsidenten Patrick Rapp übergeben. Wie kam es zur Initiative der Mitgliedsverbände?

Hässler: Ja, das ist richtig. Ich durfte im Namen der 16 Mitgliedsverbände des BDB beim Festakt zur Einweihung der BDB-Musikakademie die Skulptur an den Präsidenten Patrick Rapp überreichen. Die Idee kam mir im Vorfeld der Hauptausschusssitzung des BDB im Oktober 2023. Ich hatte damals Gelegenheit, mich vor Ort über den Baufortschritt in der neuen Akademie zu informieren. Dabei hatte ich das Gefühl, dass vor dem Haus, vor dem Haupteingang, etwas fehlt – etwas, das darauf hinweisen könnte, was in diesem Haus passiert. Diese Idee habe ich dann in einer Rundmail einige Tage später allen Präsidentinnen und  Präsidenten kundgetan und dabei auch gefragt, ob dies ein Gemeinschaftsgeschenk zur Einweihung der neuen Akademie im Februar 2024 sein könnte.

blasmusik: Bestand denn von Anfang an Einigkeit über das Motiv und die Wahl des Künstlers?

Hässler: Dass wir als Symbol der Geschlossenheit der Verbände gemeinsam ein Kunstwerk in Auftrag geben wollen, darüber bestand in der Tat von Anfang an große Einigkeit. Den Staufener Künstler Nobi Bühler brachten dann Sabine Wölfle und Bruno Löffler ins Spiel. Kurze Zeit später trafen Bruno Löffler, Rainer Gehri, Ralph Beck und ich uns mit Nobi Bühler in Staufen, um dem Künstler das Gebäude und seine Konzeption zu erläutern. Nobi Bühler entwickelte schnell die Idee  einer Stahlskulptur in Form eines stilisierten Dirigenten, weil sich eine solche Figur in einer Größe realisieren lässt, die proportional in einem guten Verhältnis zum Gebäude steht. Nach einigen Diskussionen haben wir uns in Staufen auf diese Figur geeinigt. In einem weiteren Rundschreiben habe ich alle Verbände mit einer Skizze über diese Figur informiert. Aus dem Feedback sprach einhellig große Zustimmung.

blasmusik: Welche Symbolik verbinden Sie mit der Dirigentenskulptur?

Hässler: Für alle, die die BDB-Musikakademie kennen, ist der Bezug zwischen der Dirigentenskulptur und dem Akademiegebäude natürlich offensichtlich. Allen anderen erschließt er sich über die Körperhaltung des Dirigenten. Viele Menschen kennen die Gestik des Dirigenten und können so assoziieren, dass das Haus etwas mit Musik zu tun hat. In meinen Augen zeigt diese Figur in hervorragender Weise die Verbundenheit der Verbände mit ihren über 1.000 Vereinen, ihren 2.300 Orchestern mit über 62.000 aktiven Amateurmusikerinnen und -musikern mit diesem Haus und dem BDB. Ein Arm könnte die Verbände, der zweite den BDB mit seinen Gremien und Ausschüssen darstellen. Der Korpus stellt die neue Akademie dar. Nur zusammen ergibt sich ein lebendiger Körper und alles hängt miteinander zusammen. Wenn man einen Blick auf die Beine der Skulptur wirft, stellt man fest, dass die Beine nicht parallel stehen, sondern leicht versetzt sind. Darin drückt sich das Voranschreiten und Zukunftsgerichtete des ganzen Körpers und all seiner Teile aus. Symbolträchtig und bedeutungsvoll ist auch die Verankerung der  Skulptur. Die Figur steht nämlich nicht auf dem Boden, sondern ist fest in der Erde verankert und verbunden mit unseren Wurzeln, unserer Basis aus den oben genannten über 62.400 aktiven Amateurmusikerinnen und -musikern. Ohne unsere Wurzeln würden weder die Verbände noch der BDB oder dieses Haus bestehen. Deshalb sollten wir uns bei aller Geschäftigkeit des Alltages immer wieder auf unsere Wurzeln besinnen und diese gut pflegen. Denn nur aus guten und gesunden Wurzeln kann etwas großes Entstehen und in der Zukunft gedeihen. Gleichzeitig lässt sich von der Dirigentenskulptur auf dem Vorplatz leicht der Bogen schlagen zur Story des Gebäudes als klangfarbenreiche Partitur. Schließlich sind Dirigierende diejenigen, die eine Verbindung herstellen zwischen der Partitur auf dem Dirigentenpult und dem Orchester, in dem sie das, was der Komponist oder Arrangeur mit der Partitur ausdrücken will, in Klang und Rhythmus übertragen. Es gibt bestimmt noch viele Deutungsmöglichkeiten. Letztlich bleibt es ja den jeweiligen Betrachtern überlassen, was sie in der Figur sehen oder in sie hineininterpretieren.

blasmusik: Im BDB war die Freude über das Geschenk der Verbände riesengroß, weil es zum Ausdruck bringt, dass die Mitgliedsverbände mit großer  Geschlossenheit hinter dem Neubau der BDB-Musikakademie stehen. Das ist nicht selbstverständlich angesichts eines derartigen Mammutprojekts, oder?

Hässler: Da haben Sie vollkommen recht. Der Neubau der Akademie in dieser Form ist einmalig und es ist fantastisch, dass der BDB so ein Gebäude erstellen konnte. Daher war es uns auch sehr wichtig, die Geschlossenheit der Mitgliedsverbände mit dieser Skulptur zum Ausdruck zu bringen und deutlich zu machen, dass wir voll und ganz zu diesem Neubau stehen. Selbstverständlich ist das nicht, aber ich glaube, gerade dies macht den BDB mit seinen Verbänden aus. Denn ohne diese gegenseitige Achtung und Wertschätzung wäre ein solcher Neubau in dieser fantastischen Weise, wie er sich uns allen heute präsentiert, nicht möglich gewesen.

Text: Martina Faller

Fotos: Mara Ruh und Ralf Kilian